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Neu: Oberbürgermeister März im Interview

 

Frühlingshafte Aufbruchstimmung

Alles neu macht der Mai heißt es - das Stadtbild, das Frühlingserwachen, sogar eine Aufbruchsstimmung nach zwei von Coronabeschränkungen geprägten Jahren ist in Rosenheim zu spüren. Auch bei Oberbürgermeister Andreas März. Herr März, wenn Sie jetzt im Mai durch Rosenheim laufen, wie empfinden Sie die Stadt?

Ich denke mir jedes Mal wieder, wie schön wir es hier haben. Welches Privileg wir haben, in einer so tollen und coolen Stadt zu wohnen und diese tolle und coole Stadt auch nach außen hin zeigen zu können. In Rosenheim betreiben wir einen großen Aufwand, um das Stadtbild attraktiv zu halten. Wir sanieren alte Gebäude, achten darauf, dass sich Neubauten gut ins Stadtbild einfügen und tun viel dafür, Autoverkehr in Einklang zu bringen. Aber es sind auch die – auf den ersten Blick – kleinen Dinge, über die ich mich jeden Tag freuen kann. Letztes Jahr haben wir „Rosenheim blüht auf“ ins Leben gerufen, um während des Corona-Lockdowns unseren Bürgerinnen und Bürgern, aber auch Besucherinnen und Besuchern Rosenheim noch ansprechender zu präsentieren. Das führen wir heuer fort und wie könnte der Frühling in unserer Stadt besser eingeläutet werden als mit einem Meer an Blumen und Pflanzen unserer Stadtgärtnerei, die hier einen ganz hervorragenden Job macht.

Nach einer langen Zeit ohne Feste und Feiern läuft das jetzt wieder an. Neben einigen Volksfesten wie in Pang und in der Region auch eine Veranstaltung im Salingarten in Rosenheim vom 26. Mai bis zum 29. Mai. Welche Rolle spielt sie für das Stadtleben?

Eine ganz wichtige. Nach dieser langen, von Einschränkungen geprägten Zeit ist es von elementarer Bedeutung für die Stadtgesellschaft, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder zusammenkommen. Corona hat uns gezeigt, wie Zusammenleben nicht sein soll. Die Maske hat uns die Mimik genommen, die Abstandsgebote die Nähe und der Lockdown das Miteinander. 

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Corona wird uns erhalten bleiben und ich appelliere an die Eigenverantwortung im Umgang mit dem Virus. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, im Rahmen der Möglichkeiten und mit Umsicht das Leben zu genießen. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir brauchen den Kontakt, die Gespräche, die Feiern. Und diesen Rahmen bieten uns Veranstaltungen wie die Ende Mai rund um den Salingarten.

Lässt die weltpolitische Lage denn überhaupt eine ausgelassene Stimmung zu?

Da haben Sie natürlich Recht. Der Angriffskrieg auf die Ukraine, die wirtschaftlichen Einschränkungen, die drastischen Preissteigerungen und natürlich auch die Ungewissheit, wie sich sowohl die Sicherheits- und Wirtschaftslage als auch die Energieversorgung in den kommenden Monaten entwickeln werden, machen natürlich vielen Menschen auch in unserer Stadt Sorgen. Das ist absolut legitim und verständlich. Die daraus resultierenden Ängste sollten unseren Alltag aber nicht bestimmen. Denn das schlägt irgendwann aufs Gemüt. Ich glaube schon, dass die Aufbruchsstimmung nach den zwei Corona-Jahren ein Weg aus einer gesellschaftlichen Depression ist. So gesehen sind auch unsere Feste im besten Sinne des Wortes Balsam für die See. Die Ukraine-Krise hat dieser Stimmung natürlich einen Dämpfer verpasst. Wir sehen es auch hier in der Stadt Rosenheim an den bei uns untergekommenen Flüchtlingen, welches Leid dieser völkerrechtswidrige Angriff auslöst. Vielleicht ist diese Aufbruchsstimmung, ist dieses „Alles neu macht der Mai“ auch ein Zeichen dafür, dass wir uns nicht unterkriegen lassen. Dass wir uns die Lebensfreude nicht nehmen lassen. Dass wir uns nicht beugen. Und dass wir den in Rosenheim lebenden Kriegsflüchtlingen, jenseits des erlebten Horrors, unsere bayerische Lebensfreude vermitteln.

Herr März, vielen Dank für das Gespräch.