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Stadtblick: 
Bad Rosenheim

 

Bad Rosenheim - Eine endliche Geschichte

Die Geschichte des Rosenheimer Heilbades fand ihren Anfang bereits im 17. Jahrhundert. 1615 erkannte der Arzt Dr. Tobias Geiger (um 1575 – 1658) die besonderen Eigenschaften der Quelle, den so genannten Küpferling. Die Quelle lag in der Nähe von Fürstätt, außerhalb des Marktes Rosenheim, und war nach ihrer rotbraunen Färbung am Wassergrund benannt. Es sollten aber noch weitere Jahre vergehen, bis im Jahr 1700 ein Badehaus eingerichtet wurde.

Mit dem Ratsbeschluss des Jahres 1700 war die rechtliche Basis für die Errichtung des Bades gelegt. Da der Markt Rosenheim keine öffentlichen Mittel für dieses Vorhaben hatte, übernahm Wolfgang Jakob Ruedorffer die Initiative und stellte ein Haus in der Nähe der Loreto-Kapelle zur Verfügung. Er ließ hölzerne Leitungen verlegen, die das Quellwasser zum Haus beförderten. Zum Baden standen bald neugeschaffene Becken bereit.

Die Räumlichkeiten reichten bald nicht mehr aus. So bemühte sich Ruedorffer 1716 um eine Genehmigung zur Vergrößerung des Badehauses. Kurfürst Maximilian II. Emanuel erlaubte die Erweiterung mit der Bedingung, dass die Badegäste für die Nutzung eine Steuer entrichten sollten. Es entstanden weitere Badestuben, eine Küche und Wohnungen.

Durch einen tiefgreifenden Umbau 1814/15 wurde die Attraktivität des Bades, mittlerweile unter anderem Eigentümer, deutlich gesteigert. Das Gebäude zeigte sich nun als dreigeschossiger, langgestreckter Bau mit Walmdach und klassizistisch gestalteter Fassade. Im Erdgeschoss lagen zehn Baderäume, drei für Frauen und sechs für Männer, sowie ein kostenlos benutzbares Armenbad. In den Obergeschossen waren 24 Gästezimmer unterbracht; der Speisesaal und die Küche lagen im 2. Obergeschoss. Ein Aufenthaltsraum enthielt auch einen Billardtisch. Die durchschnittliche Zahl der Kurgäste lag in den Jahren von 1814 bis 1820 bei 270 Personen.

1821 wurde das Solebadehaus fertig gestellt. Im Erdgeschoss enthielt es einen Gemeinschaftsbaderaum und ein Soledampfbad. Im Obergeschoss lagen mehrere Einzelbaderäume sowie ein „Tropfbad“. Von 1837 bis 1844 wurde die Zahl der Kurgäste von 230 auf 302 gesteigert; die meisten davon stammten aus München. Danach trat wieder ein Rückgang der Gästezahlen ein. Besonders die Konkurrenz der neu entstandenen Bäder wie Reichenhall oder auch Aibling als frühem Moorbad hemmte die Entwicklung des Rosenheimer Heilbades.

Nach einigen Jahren stiegen die Zahlen wieder. Der Aufschwung des Bades um 1860 ging auch auf die verbesserte Erreichbarkeit Rosenheims seit dem Bahnanschluss 1857 zurück. Es wurden inzwischen auch Moor- und Fichtennadelbäder angeboten, es wurden Ziegenmolke und Kräutersäfte serviert. Das Kurhaus wurde neu möbliert und mit Wasserklosetts und einer Dampfheizung ausgestattet. Der Garten wurde zu einer Parkanlage umgestaltet.

 

Ansicht des Badehauses um 1725

Als großes Ereignis feierte die Rosenheimer Bürgerschaft den Aufenthalt des deutschen Kaisers Wilhelm I. vom 11. auf den 12. August 1876. Auf der Rückreise von der Kur in Bad Gastein nächtigte der Monarch, begleitet von einem 50köpfigen Gefolge, im Alten Bad.

Aus einer Versteigerung heraus erwarb Carl Weinberger das „Alte Bad“ im Frühjahr des Jahres 1885 und änderte den Namen in „Kaiserbad“. Neben der Einführung der werbewirksamen Bezeichnung verbesserte Weinberger die Infrastruktur. So wurden die Quelle und die Wasserleitungen zum Haus tiefergelegt, wodurch mehr Wasser ins Bad geführt werden konnte.

1889 erwarb der bekannte Münchner Architekt und Bauunternehmer Jakob Heilmann das Kaiserbad. Er ließ einen Anbau mit Zierfachwerk und Spitztürmchen errichten und das Bad an die Trinkwasserversorgung anschließen. Heilmann, der sich durch weitere Umbaupläne mit dem Bad einen großen wirtschaftlichen Erfolg erwartet hatte, veräußerte den Betrieb schon nach vier Jahren. 1893 wurde Ferdinand Schweisgut neuer Besitzer. Er modernisierte die Badeabteilung und legte im Park als absolute Innovation einen Tennisplatz an.

Trotzdem geriet das Bad in finanzielle Schieflage. Die zahlreichen Versuche zur Rettung des traditionsreichen Rosenheimer Bades fanden mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs ein abruptes Ende. Betreut vom Roten Kreuz wurde das Kurhotel nun als Lazarett mit 80 Betten genutzt. Allein im ersten Jahr des Lazarettbetriebs wurden 192 verwundete Soldaten betreut.

Nach rund dreijähriger Nutzung als Lazarett beantragte die Militärverwaltung im September 1917 beim Rosenheimer Magistrat die Nutzung des Kaiserbades als Genesungsheim für so genannte Kriegsneurotiker. Nur wenige Wochen nach Beginn der neuen Nutzung, in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1917, legte einer der 22 Heimbewohner einen folgenschweren Brand. Die Obergeschosse des Kaiserbades wurden dabei schwer beschädigt.

Nach der notdürftigen Instandsetzung des Gebäudes entstand noch im Dezember 1917 in einer Sitzung des Stadtmagistrats die Idee zur Schaffung eines neuen „Bürgerspitals“. Daraufhin wurden in dem Gebäude 27 kleine Wohnungen für bedürftige Personen geschaffen.

Die Stadtverwaltung nutzte das Kaiserbad seitdem als Armenunterkunft, in der bis zu 120 Menschen lebten. Der einstige Park, der das Bad umgab, veränderte in den 1960er Jahren durch die Anlage der Rechenauerstraße, den Bau der Altkatholischen Kirche und eines Kindergartens sein Gesicht.

Anfang der 1980er Jahre entschloss sich die Stadtverwaltung, das ehemalige Kaiserbad abzubrechen. Nach dem Auszug der letzten Bewohner erfolgte der Abbruch im Frühjahr 1985. Seitdem wird das Gelände als Parkplatz genutzt. An das traditionsreiche Rosenheimer Bad erinnert seit 1986 das ehemalige, wieder aufgestellte Eingangsportal.

 

Text und Bilder: Stadtarchiv Rosenheim

Das Baadhaus zu Rosenheim, Lavierte Zeichnung von Friedrich Wilhelm Doppelmayr, 1815
Fotografie des Bades um 1880
Blick auf den Heilmannschen Erweiterungsbau Ansichtskarte um 1895
Hauptbaderaum des Kaiserbades um 1900