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Transit Art 2022: 
Street Art in Rosenheim

 

Kunst im öffentlichen Raum

Berlin, Lissabon, Montreal – hochwertige, kunstvolle Street Art findet man vor allem in den Metropolen dieser Welt. Besonders ins Auge stechen dabei die Murals. Komplette Gebäudefassaden, die von oben bis unten mit Sprühdose und Pinsel verschönert worden sind. Da ist es schon erstaunlich, dass sich die Stadt Rosenheim mit ihren rund 64.000 Einwohnern bei dieser Kunstform überhaupt nicht verstecken muss. Dank des Transit Art Festivals schmücken die Murals Häuserfassaden an prominenten Orten im Stadtgebiet.

In diesem Jahr findet Transit Art bereits zum dritten Mal unter Federführung der Städtischen Galerie statt. Rosenheim.jetzt hat sich darum mit der Leiterin Monika Hauser-Mair unterhalten.

Frau Hauser-Mair, Street Art, Graffiti, Murals – wie ist diese Kunstform einzuordnen?

Street Art ist wie keine andere Kunstform für alle Menschen zu jeder Tages – und Nachtzeit zugänglich. Ohne Eintritt für eine Ausstellung oder einen Museumbesuch bezahlen zu müssen, können Betrachtende die Kunstwerke auf sich wirken lassen. Die Bürgerinnen und Bürger, Besucherinnen und Besucher unserer Stadt können zudem den Entstehungsprozess dieser wunderbaren Arbeiten vor Ort mitverfolgen.

 

Berlin, Hamburg, Rosenheim

Während Street Art in großen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg oder Mannheim allgegenwärtig ist, hat Graffiti in Rosenheim bislang keine große Rolle gespielt. Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten, um das Transit Art Festival in Rosenheim zu realisieren?

Die Idee, ein Street Art Festival auf die Beine zu stellen, begleitet mich seit ca. zehn Jahren. Kleinere Aktionen konnte ich seit 2011 zwar immer wieder umsetzen, jedoch waren nie ausreichend Mittel vorhanden, um ein Festival zu organisieren. Dann kam Corona! Fördergelder standen plötzlich für die Verwirklichung alternativer kultureller Angebote zur Verfügung und aus einer Idee entwickelte sich ein konkretes Konzept. So können wir mittlerweile – gefördert von der „meine Volksbank Raiffeisenbank e.G.“ – das dritte Jahr in Folge Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Europa nach Rosenheim einladen und ihnen bei der Arbeit an den Wänden zuschauen.

Der "Aha-Effekt"

Wie waren dann die Reaktionen nach dem ersten Transit Art Festival 2020?

Da war jede Meinung vertreten, von „eh zu viel Radau in Rosenheim“ und „für so etwas ist also schon Geld da“ bis hin zu „Endlich wird Rosenheim urban.“ und „Wir können unserem Besuch jetzt ein ganz besonderes Erlebnis bieten.“. Auch die Motive und Farben sorgen für viel Gesprächsstoff, „Juhu, es gibt Farbe an den Wänden“ oder „Kann der Wal freundlicher schauen?“. Viele Menschen konnten nicht glauben, dass die Gemälde vor Ort bleiben und befürchteten, es handle sich um eine kurze Aktion.

Noch lange nicht Schluss!

Jetzt also die dritte Auflage des Festivals, ist damit Schluss oder gibt es in Rosenheim noch genügend Wände und Fassaden, um auch in den kommenden Jahren die Street Art nach Rosenheim zu holen?

Nein, es ist nicht damit Schluss. Es gibt unseres Erachtens sehr viele Wände (versteckte, aber auch solche an prominenter Stelle), die noch gestaltet werden könnten. Zudem schaffen wir mit unserer Arbeit einen beständigen Wert. Wir landen nicht kurz mit einen Kunst-Ufo und sind dann wieder weg, wir in der Städtischen Galerie möchten identitätsstiftend wirken.Wir werden weiterhin unsere Kräfte für künstlerische und kulturelle Projekte in Rosenheim einsetzen und so auch Street Art in unserer Stadt verankern.

Frau Hauser-Mair, vielen herzlichen Dank.