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Stadtblick:


 Wie die Cops nach Rosenheim kamen

 

 

Eine Serie mit Kultstatus

Was für eine Erfolgsgeschichte! Als im Januar 2002 die erste Folge der „Rosenheim Cops“ ausgestrahlt wurde, hat auch der größte Optimist nicht damit rechnen können, dass auch noch 20 Jahre später neue Folgen gedreht werden. Dass die Cops überhaupt ihre Heimat in Rosenheim gefunden ist mitunter dem damaligen Leiter des Rosenheimer städt. Hauptamtes, Horst Rankl, zu verdanken.

 

Herr Rankl, wie kam es damals zum Kontakt und warum ausgerechnet Rosenheim und nicht eine andere bayerische Stadt?

Zwei Bekanntschaften – Ein Erfolg! Das ist das Motto für einen gelungenen Start der Rosenheim Cops 2002 in eine lange und erfreuliche  Zukunft. Der Abteilungsleiter im ZDF, Dr. Behling, war mir schon lange vor den Rosenheim Cops ein guter Bekannter bei diversen Besuchen von Heimatbühnen im Chiemgau, der andere gute Freund war Rainer Nowak, der erste Produktionsleiter für das neue Projekt bei der Bavaria. Ihn kannte ich schon aus den 50er Jahren beim BGS. Beide wurden um die Jahrtausendwende mit dem Projekt Rosenheim Cops betraut. Dr. Behling, wohnhaft in Aschau, gilt als Initiator der Serie und gleichzeitig als Schöpfer des Namens Rosenheim Cops. Er war damals verantwortlich im ZDF für Unterhaltung. Rainer Nowak war in den ersten Jahren des Projekts und den letzten Jahren seiner Dienstzeit Mitarbeiter in der Bavaria und verantwortlich für die künftige Produktion der Rosenheim Cops.

 

Welche Schwierigkeiten gab es denn, die Rosenheim Cops in die Innstadt zu holen?

Anfangs gab es sowohl in der Verwaltung als auch im Stadtrat Rosenheims Vorbehalte gegen die geplante TV-Serie, da es allgemein zu dieser Zeit noch nicht so viel Erfahrung und Vergleichbares mit deutschen Serien gab wie heute. Nachdem das ZDF vorgab, ein solches Projekt nur mit finanzieller Hilfe der Stadt  Rosenheim realisieren zu können, gab es spürbare Zurückhaltung. In vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen von ZDF und Bavaria sowie den Vertretern der Stadt konnte schließlich Einigung erzielt werden. Die finanzielle Forderung wurde zurückgestellt, dafür sagte die Stadt ihre tatkräftige Mithilfe bei den organisatorischen Vorbereitungen und auch weitgehende Unterstützung bei den Dreharbeiten zu. Hinzu kam die Bereitschaft des Theaters Rosenheim, notwendige Komparsen aus Vereinsmitgliedern kostenlos zu rekrutieren. Damit war das Eis gebrochen und die hilfreiche Unterstützung führte letztlich zum Drehbeginn. 

Wie liefen denn die ersten Dreharbeiten ab? Damals war ja noch gar nichts eingespielt, im Gegensatz zu heute…

Die anfänglichen Dreharbeiten waren beschwerlich. Zwar stand das Rathaus als Polizeiinspektion schnell fest, doch die Drehorte innerhalb des Gebäudes mussten stets zu den Drehtagen umgerüstet werden. So wurden Büros ausgeräumt und umgebaut, Kameras und Lichtgeräte wurden eingebaut, die Schauspieler hielten sich im Rathaussaal auf um sich einzukleiden und ihre Texte zu lernen, die Komparsen hielten sich im Kellerbereich des Rathauses abrufbereit auf und im Foyer des Rathauses wurde eine provisorische Kantine für die Mitwirkenden und das Personal am Set eingerichtet. Häufig wurde an den Wochenenden oder in den Abendstunden gedreht, um die Arbeitsabläufe in der Verwaltung und den Parteiverkehr im Rathaus nicht zu beeinträchtigen.

Schwierig war anfangs auch die Suche nach geeigneten Objekten außerhalb des Rathauses, also Villen, Wohnungen, Straßen, heimlichen Orten, Freigelände und vielem mehr. Die Bühnenbauer mussten sich erst mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen.  Doch auch hier stand das städtische Hauptamt hilfreich zur Seite. Drehorte wurden vom Hauptamt empfohlen und gemeinsam besichtigt,  alles wurde kameradschaftlich gemeistert.        

Jetzt, 20 Jahre nach Serienstart: Welchen Effekt haben die Rosenheim Cops für unsere Stadt?

Von der Laufzeit der Serie sind die Rosenheim Cops beinahe unübertroffen. Fast vergleichbar mit großen amerikanischen Serien. Die Stadt Rosenheim war in den Jahren zuvor bekannt durch seine Eishockey-Mannschaft. Doch mit dem Abstieg aus der ersten Liga stand Rosenheim nicht mehr im Rampenlicht des Sports. Die Rosenheim Cops ließen Rosenheim und die Region wieder aufleben. Unter Deutschlands Fernsehzuschauern hat Rosenheim wieder einen Namen, ebenso über die Grenzen hinaus bei den österreichischen und den Schweizer Krimifans. Zeichen der Beliebtheit sind die vielen tausend Besucher, die nur wegen der Rosenheim Cops in unsere Stadt kommen und sich von den Stadtführern über Drehorte und auch Episoden aus dem Kreis der Rosenheim Cops unterhalten lassen. Und selbst die Toten in und um Rosenheim machen Furore: Jede Woche ein neuer Fall. Das ist sensationell.

Hand aufs Herz: Hätten Sie zu Serienbeginn gedacht, dass sich die Rosenheim Cops so lange halten?

Nein. Eine Serie anfangs der Jahre um 2000 war meist auf kurze Zeit angelegt. Dies galt sicherlich in der Planung von ZDF und Bavaria auch für die Rosenheim Cops. Doch die Serie hat sich dank der Qualität und der Besonderheit der Schauspieler sowie der eindrucksvollen landschaftlichen Drehorte in die Herzen der Zuschauer gespielt. Für mich ist die Serie der Rosenheim Cops ein Glücksfall für die Stadt und für alle, die daran mitgewirkt haben und noch mitwirken. Und für mich persönlich ist es eine Bestätigung, wenn man an einer Idee beharrlich fest hält, so kann man sie auch zum Erfolg führen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rankl.